Repair Café

Radio kaputt? Her damit!

Jede und jeder kennt die unangenehme Situation, wenn ein geliebtes Elektrogerät den Geist aufgibt. Es stellt sich die Frage: Reparatur oder Mülltonne? Angesichts niedriger Preise und vermeintlich komplizierter Technik nehmen die meisten Menschen Kurs auf den nächstgelegenen Elektronikmarkt, um ein neues zu kaufen. Das alte wird entsorgt. In früheren Zeiten war es gang und gäbe, dass man Toaster, Radios und was es sonst noch alles im Haushalt gab, im Schadensfall in eine Werkstatt bringen konnte. Heute heißt es dort oft: „Reparieren lohnt sich nicht, kaufen Sie ein neues.“ Dabei ist es um die meisten Geräte schade, immerhin sind wertvolle Rohstoffe darin verbaut, und manchmal ist auch nur ein kleines Teil defekt. Außerdem kosten neue Geräte Geld, und viele Menschen müssen jeden Cent umdrehen, um einigermaßen über die Runden zu kommen.

Seit 2014 wird deshalb im Lettekiez mit Unterstützung des Quartiersmanagements das sogenannte „Repair Café“ angeboten. Hier sitzen jeden dritten Mittwoch im Monat Menschen zusammen, die defekte Geräte wieder in Gang bringen. Das gelingt nicht immer, aber oft. In der Regel sind versierte Techniker*innen anwesend, die gemeinsam mit der Besitzerin oder dem Besitzer versuchen, das kaputte Teil zu reparieren. Die Techniker*innen arbeiten allesamt ehrenamtlich im Repair Café mit. Sie bieten allerdings keine Serviceleistung an, sondern „Hilfe zur Selbsthilfe“. Achim Bluhm, Mitorganisator des Repair Cafés: „Das klappt mal besser, mal schlechter, je nachdem, wie technisch begabt die Besucher*innen sind.“ Die Anleitung zur Selbsthilfe, so Bluhm, habe aber den Effekt, dass die Besucher*innen beim gemeinsamen Reparieren auch etwas lernen könnten.

Das Team wächst beständig: von ursprünglich vier auf mittlerweile elf ehrenamtliche Reparateur*innen. Allein im ersten Halbjahr 2019 sind drei neue hinzugekommen. „Manche Besucher*innen finden das so gut, was wir machen, dass sie bleiben“, erzählt Achim Bluhm. Die Besucherzahlen schwanken, mal kommt nur eine oder einer, mal sind es fünf.

Ob die Wiederherstellung eines kaputten Gerätes gelingt, hängt – neben dem richtigen Werkzeug – mit den unterschiedlichsten Faktoren zusammen. Mal ist das Gerät nur mit Gewalt aufzubekommen, weil es verklebt anstatt verschraubt wurde, mal fehlt das richtige Ersatzteil oder die elektronische Schaltung gibt unlösbare Rätsel auf. Eine große Hilfe für das Team sind deshalb Voranmeldungen mit detaillierten Hinweisen, um welches Gerät es sich handelt und was daran defekt ist. Im Idealfall haben die Besitzer*innen sogar noch Schaltpläne, die sie mitbringen könnten, so Bluhm. „Manchmal helfen auch Fotos. Speziell beim Thema Schrauben ist dies vonnöten, weil wir nicht immer die richtigen Werkzeuge vorrätig haben und diese vorher besorgen könnten.“ Das geht sogar soweit, dass das Team im Internet nach seltenen Schrauben bzw. passenden Werkzeugen sucht und diese bestellt. Der Großteil des Werkzeugs ist vor Ort, aber häufig bringen die Verantwortlichen des Repair Cafés eigene Geräte mit. „Der Ehrgeiz, alles reparieren zu können, ist bei uns immer da“, sagt Achim Bluhm.

Das Repair Café wurde von 2014 bis 2017 mit Mitteln des Quartiersmanagements Letteplatz aus dem Programm „Soziale Stadt“ gefördert.